Hebammen aus Niedersachsen
Hebammenverband Niedersachsen e.V.

Die aktuelle S2k-Leitlinie „Phimose und Paraphimose bei Kindern und Jugendlichen“ beschreibt eine nicht oder nur teilweise zurückziehbare Vorhaut im Kindesalter als häufig und meist völlig normal. Kernaussagen für die Praxis.

Kernaussagen für die Praxis

Dies ist ein Beitrag in Zusammenarbeit mit dem Penstudy e.V.

Die aktuelle S2k-Leitlinie „Phimose und Paraphimose bei Kindern und Jugendlichen“ (AWMF-Register Nr. 006-052) beschreibt eine nicht oder nur teilweise zurückziehbare Vorhaut im Kindesalter als häufig und meist völlig normal.

Eine frühe, sachliche Aufklärung über die regelrechte Vorhautentwicklung kann dazu beitragen, spätere Verunsicherungen der Eltern zu vermeiden. Wenn sie wissen, dass eine enge, aber beschwerdefreie Vorhaut bei Kindern vor der Pubertät normal ist, entstehen weniger Sorgen und weniger vorschnelle Behandlungsentscheidungen.

Bei vielen Kindern lässt sich die Penisvorhaut erst im Verlauf der Pubertät vollständig zurückziehen. Solange keine Beschwerden bestehen, soll daher in der Regel gar keine Behandlung erfolgen. Auch ein so genanntes „Ballonieren“ der Vorhaut beim Wasserlassen sowie Smegma Ansammlungen unter der Vorhaut (so genannte Smegmaretenzionszysten) stellen für sich allein keinen Behandlungsgrund dar, solange keine weiteren Beschwerden oder Komplikationen bestehen.

Behandlungsbedarf besteht laut Leitlinie nur bei wiederkehrenden Entzündungen, schmerzhaften Problemen oder Harnstau (nur ein Tröpfeln) beim Wasserlassen. In diesen Fällen empfiehlt die S2k-Leitlinie zuerst eine konservative Therapie mit einer kortisonhaltigen Salbe über mehrere Wochen. Diese Behandlung ist in den meisten Fällen erfolgreich und kann eine Operation vermeiden.

Ein operativer Eingriff sollte erst dann erwogen werden, wenn die konservative Therapie nicht zum gewünschten Erfolg führt oder medizinische Komplikationen vorliegen. Dabei sind möglichst schonende, vorhauterhaltende Verfahren zu bevorzugen wie die „Triple-Incision“-Methode. Dabei wird die Vorhaut nur an der engen Stelle an mehreren Punkten eingeschnitten und so erweitert, dass die Vorhaut wieder beweglich wird. Gewebe – insbesondere das innere Schleimhautblatt - wird dabei nicht entfernt.

Penstudy e.V.:

Wir führen derzeit eine unabhängige wissenschaftliche Studie zur Versorgungspraxis bei Vorhautverengung und Vorhautoperationen im Kindesalter durch. Erste Ergebnisse weisen darauf hin, dass die in der Leitlinie empfohlene Priorisierung konservativer Maßnahmen in der Versorgungsrealität nicht immer umgesetzt wird. Gleichzeitig bestehen sowohl bei Kinderärzt:innen als auch bei Eltern teilweise Unsicherheiten hinsichtlich der normalen Vorhautentwicklung.

Der für die Studie als institutioneller Anker gegründete Verein ist vollkommen unabhängig und erhält keine finanzielle Förderung.

Kontakt:

Penstudy e.V.

Steffen D. Siemon

Grimmer Strasse 68 a

D-17489 Greifswald

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