Neun Millionen Frauen sind in Deutschland in den Wechseljahren, doch oft wird das Thema tabuisiert. Die Wechseljahre sind geprägt durch körperliche und seelische Veränderungen, darüber gesprochen wird selten. Wir wollen Hebammen, Ärzt:innen und vor allem Frauen im Rahmen mehrerer Veranstaltungen helfen, einen ersten Zugang zu finden.
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Frau Dr. Katrin Schaudig, Präsidentin der Deutschen Menopause Gesellschaft, benennt einen Grund für dieses Tabu: Durch das Ausbleiben der Regelblutung finde der erste „Point of no Return“ im Leben statt und sei ein erstes Zeichen unserer Endlichkeit. Ein Problem dabei ist, dass das Älterwerden in unserer Gesellschaft kritisch betrachtet wird, obwohl es ganz natürlich ist. Ein neuer Umgang mit dieser Lebensphase ist notwendig.
Ein Drittel der Frauen erlebt keine Symptome in den Wechseljahren, das zweite Drittel erlebt leichte Symptome und das letzte Drittel der Frauen erfährt sehr deutliche Symptome. Während Hitzewallungen als Symptom der Wechseljahre bekannt sind, werden die meisten Symptome nicht primär zugeordnet. Oft erleben Frauen mindestens ein Symptom, das sie einschränkt: Blähbauch, Gelenkschmerzen, unregelmäßigen Zyklus (früher, später, schwächer, stärker), …
Das Projekt Wechseljahre soll den Betroffenen in Niedersachsen eine Möglichkeit geben, über ihre Wechseljahre zu sprechen und sich sachlich über das Thema und bei Bedarf über mögliche Therapien zu informieren – ohne sich durch die Flut der Werbung von Produkten arbeiten zu müssen. Sie sollen bestärkt und als die Expert:innen für ihren eigenen Körper behandelt werden. Es wird Angebote für Frauen wie Vorträge, Onlinefragerunden für Frauen aus Niedersachsen an Gynäkolog:innen, Austauschgruppen geben.
Frauen bekommen ihre Kinder mitunter gegen Ende ihrer fruchtbaren Lebensphase und erleben den direkten Übergang vom Wochenbett in die Wechseljahre. Damit Hebammen dies erkennen und die Frauen informieren können, bedarf es der sachkundigen Befassung mit dem Thema. In Italien beispielsweise, gehört es zur professionellen Tätigkeit von Hebammen, reproduktive und geschlechtsspezifische Bedürfnisse zu erkennen und die Betreuung, Beratung, Aufklärung und Begleitung entsprechend den sich wandelnden Anforderungen in den verschiedenen Lebensphasen der Frau anzupassen. Dazu zählt auch die Gesundheitserziehung für Frauen in den Wechseljahren. Durch zielgerichtete Fortbildungen soll die Befähigung der Hebammen erfolgen. Gleichzeitig wird in Gesprächsrunden mit Gynäkolog:innen, sowie gemeinsam entwickeltem Informationsmaterial die interprofessionelle Vernetzung gefördert.
Der Projektzeitraum wird vom 1.6.26 bis zum 31.5.27 sein.
Bisher geplant sind folgende Online-Termine. Alle Vorträge werden als Fortbildung bei der Ärztekammer Nds. angemeldet.
Vortrag "Vom Wochenbett in die Wechseljahre": 14.7.26 8:30 bis 10 Uhr Anmeldelink
Vortrag "Zyklus, Auswirkung auf Wechseljahre": 4.8.26 16 bis 17:30 Uhr Anmeldelink
beide mit Karen Lang, Hebamme, Coachin für Frauen und Speakerin zum Thema Wechseljahre (karenlang.de
Impulse plus Austausch Mechthild Berges-Hornig (Daten jeweils 18 bis 19 Uhr)
Wechseljahre bewusst gestalten
Impulse, die stärken. Austausch, der trägt.
Wechseljahre bewusst gestalten ist eine offene Online-Reihe für Frauen, die ihre Wechseljahre mit mehr Wissen, Klarheit und Selbstfürsorge erleben möchten. Jeder Termin steht für sich und bietet eine Mischung aus fundiertem Input, alltagstauglichen Impulsen und wertschätzendem Austausch. Ob du zum ersten Mal dabei bist oder regelmäßig teilnimmst – du wirst abgeholt, inspiriert und gestärkt. Für deinen Weg durch den Wandel. In deinem Tempo.
1. Ankommen im Wandel; Symptom des Monats: Zyklusveränderungen (10.08.2026)
Ein sanfter Einstieg in das Thema Wechseljahre: Was passiert im Körper, was verändert sich im Alltag – und was bedeutet das für mich? Ein Abend zum Ankommen, Verstehen und ersten Austauschen.
2. Hormone verstehen – Körper verstehen; Symptom des Monats: Hitzewallungen (14.09.2026)
Östrogen, Progesteron, Testosteron – was sie tun und warum ihr Rückgang spürbar ist.
3. Energie & Ernährung; Symptom des Monats: Erschöpfung & Energieschwankungen (12.10.2026)
Wie Ernährung in den Wechseljahren unterstützen kann.
4. Bewegung, Kraft & Körpergefühl; Symptom des Monats: Gelenk- und Muskelschmerzen (09.11.2026)
Warum Bewegung jetzt so wichtig ist.
5. Schlaf & Stressregulation; Symptom des Monats: Nächtliches Aufwachen (14.12.2026)
Schlafstörungen gehören zu den häufigsten Begleitern der Wechseljahre. Wir schauen, wie wir auf Schlaf und Stress positiv einwirken können.
6. Emotionen im Wandel; Symptom des Monats: Reizbarkeit und emotionale Überforderung (11.01.2027)
Stimmungsschwankungen, Reizbarkeit, innere Unruhe: Dieses Modul zeigt, warum Emotionen intensiver werden.
7. Rollen, Beziehungen & Selbstbild; Symptom des Monats: Rückzugstendenzen (08.02.2027)
Die Lebensmitte bringt oft neue Fragen mit sich: Wer bin ich heute? Was möchte ich verändern? Ein Abend für Klarheit, Selbstreflexion und neue Perspektiven.
8. Stärken, Ressourcen & Resilienz; Symptom des Monats: Konzentrationsschwierigkeiten („brain fog“) (08.02.2027)
Was macht dich stark? Welche Ressourcen trägst du in dir? Dieses Modul hilft dir, deine Kraftquellen sichtbar zu machen und bewusst zu nutzen.
9. Mein Weg durch die Wechseljahre; Symptom des Monats: Veränderungsdruck und innere Unruhe (12.04.2027)
Ein Abend zum Innehalten, Sortieren und Ausblicken. Du bündelst deine Erkenntnisse für deinen Weg
Vortrag Frau Prof. Dr. med. Kerstin Weidner: Wechseljahre als Schwellensituation – ein psychosomatischer Blick (Vortrag 90 min, 21.10.26 von 18 bis 19:30 Uhr)
Aktuell erfahren die Wechseljahre der Frau eine erstaunliche mediale Beachtung, leider jedoch oft eine pathologisierende. Unangenehme Symptome wie zum Beispiel vegetative Beschwerden oder Depressivität werden unkritisch dieser Lebensphase zugeschrieben und Hormontherapie wird ubiquitär beworben. Sind es aber wirklich nur Hormone, die diese Lebensphase prägen oder sind es weitere bio-psycho-soziale salutogenetische oder pathogene Einflüsse, zum Beispiel die Einstellung zum eigenen Körper, die Zufriedenheit mit der Kinderwunschrealisierung oder der Umgang mit (funktionellen) Symptomen bzw. einfach nur das Alter? Ärzt:innen, Psycholog:innen und andere Berufsgruppen sollten Symptome in dieser Lebensphase differenziert einordnen, Pathologisierung, Iatrogenisierung oder Stigmatisierung ebenso wie Psychologisierung vermeiden und Selbstwirksamkeit der Frauen fördern.
Außerdem geplant:
Vortrag "Was können Hormone und Hormonersatztherapie"
Vortrag zu Ernährung
Vortrag zu Bewegung
Vortrag Schlaf / Stress
Vortrag Sexualität und Selbstverwaltung
(werden als Fortbildung bei der Ärztekammer Nds. angemeldet)
Vortrag "Multidimensionaler Blick"
Vortrag "Differenzialdiagnose (Schilddrüse)"
Gesprächsrunden für Hebammen und Gynäkolg:innen