Wie werde ich Hebamme?

Wenn Sie sich schon mit dem Wunsch, Hebamme zu werden beschäftigt haben, haben sie auch schon erfahren, dass sich der bisherige Werdegang in Umbruch befindet. Aus der Ausbildung wird in den kommenden Jahren ein Studium. Die EU hat es so vorgegeben- und Deutschland ist leider das Schlusslicht in der Umsetzung.
So oder so – der Beruf bleibt in der Praxis derselbe erfüllende, herausfordernde und wunderbare Beruf wie bisher.

Das Ausbildungsziel wird im Hebammengesetz § 5 so beschrieben:

Die Ausbildung soll insbesondere dazu befähigen, Frauen während der Schwangerschaft, der Geburt und dem Wochenbett Rat zu erteilen und die notwendige Fürsorge zu gewähren, normale Geburten zu leiten, Komplikationen des Geburtsverlaufs frühzeitig zu erkennen, Neugeborene zu versorgen, den Wochenbettverlauf zu überwachen und eine Dokumentation über den Geburtsverlauf anzufertigen (Ausbildungsziel).

Ausbildung

Die Schulen in Niedersachsen werden vorerst weiter bestehen und noch bis Ende 2021 Auszubildende annehmen können.

Ausbildungsvoraussetzungen
  • Vollendung des 17. Lebensjahres
  • Gesundheitliche Eignung zur Ausübung des Berufes
Ausbildungsinhalte

Die Ausbildung dauert 3 Jahre, eine abgeschlossene Ausbildung zur Krankenschwester oder Kinderkrankenschwester kann mit einem Jahr angerechnet werden. Die Ausbildung besteht aus mind. 1600 theoretischen Unterrichtsstunden und mind. 3000 praktischen Ausbildungsstunden.

Die Unterrichtsfächer sind u.a. Anatomie, Physiologie, Geburtshilfe, Schwangerenbetreuung, Wochenbettbetreuung, pflegerische Hebammentätigkeit, Kinderheilkunde, Ernährungslehre, Hygiene, Familienplanung, Pharmakologie, Mikrobiologie, Chemie, Psychologie, Terminologie, Organisation im Krankenhaus, Gesetzeskunde.

Die praktische Ausbildung findet statt im Kreissaal, auf der Wochenstation, im Kinderzimmer, auf der Gynäkologischen Station und im OP des Ausbildungskrankenhauses. Zusätzlich sind externe Einsätze in der Kinderklinik und zumeist auch bei einer freiberuflichen Hebamme vorgesehen.

Die Ausbildung endet mit der staatlichen Prüfung, welche aus einem schriftlichen, einem mündlichen und einem praktischen Teil besteht. Die bestandene Prüfung berechtigt zur Führung der Berufsbezeichnung „Hebamme“.

Zukunft ausgebildeter Hebammen

Alle Hebammen mit erfolgreich bestandenem Examen werden in Deutschland ihre Berufsanerkennung immer behalten, auch wenn die Hebammenausbildung reformiert wird. Niemand muss sich also Sorgen machen, dass eine begonnene oder absolvierte Ausbildung keinen Wert mehr haben könnte.

Übrigens können alle, die bereits vor der Reform der Hebammenausbildung einen akademischen Abschluss erwerben möchten, begleitend zur Ausbildung oder im Anschluss einen ergänzenden Bachelorstudiengang in Hebammenwissenschaften absolvieren.

 

Der derzeitige Stand (August 2019) der Ausbildung sieht eine mögliche schulische Ausbildung noch maximal bis Ende 2021 vor, danach wird die Hebammenausbildung flächendeckend zu einem Hochschulstudium. Der entsprechende Gesetzesentwurf wird derzeit beraten, eine Umsetzung soll schnellstmöglich erfolgen.

Das Bachelorstudium ist (wie in allen anderen europäischen Ländern bereits umgesetzt) dann die grundständige Ausbildung. Erforderlich zur Zulassung zum Studium ist dann eine nachgewiesene 12-jährige Schuldbildung. Es wird überall ein duales Studium sein (Verzahnung von Theorie und Praxis). Der Bachelorabschluss wird eigenständiges Arbeiten ermöglichen.

In einigen Bundesländern sind bereits Studiengänge aufgebaut, oder im Aufbau begriffen. In Niedersachsen ist ein grundständiges Studium derzeit in Buxtehude möglich. Ein aufsattelnder Studiengang wird seit mehr als 10 Jahren an der Hochschule Osnabrück angeboten (Midwifery).

Es sollen in naher Zukunft 4-5 Studienstandorte in Niedersachsen aufgebaut werden, aktuell sind Osnabrück, Oldenburg Hannover und Göttingen in der Planung. Nach Auskunft von Minister Björn Thümler vom 21.6.2019 ist das Geld für 2020 im Landeshaushalt eingeplant.

Informationen zum Studium finden Sie >> hier

Adressen der Hebammenschulen in Niedersachsen finden Sie >> hier

Externate

Externate sind ein fester Bestandteil der Hebammenausbildung. Hebammenschülerinnen eignen sich viel theoretisches und medizinisches Wissen in den Schulen und Kliniken an. Die physiologischen Abläufe und Prozesse bei Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett können sie idealerweise dann durch die Begleitung einer erfahrenen Hebamme im Praxisalltag erleben und erlernen.

Wir wissen natürlich, das ist zeitaufwendig und arbeitsintensiv ist, gerade jetzt, in Zeiten hoher Belastungen im Hebammenberuf!

Dennoch hoffen wir auf die Unterstützung der jungen Kolleginnen, damit sie einmal auch „zur Förderung der physiologischen Schwangerschaft und Geburt“ ein gutes Rüstzeug und unsere Erfahrungen mitbekommen. Damit unser „Hebammenhandwerk“ weiter fortbestehen kann, wollen wir jungen zukünftigen Kolleginnen behilflich sein, eine freiberufliche Hebamme oder ein Geburtshaus für ihr Externat zu finden.

Denn schon morgen sind sie unsere Kolleginnen und gemeinsam können wir uns dann für die Versorgung der Frauen und Kinder einsetzen, einander vertreten und einem völligen Zusammenbruch in der Versorgungslandschaft vorbeugen.