Die Landesdelegiertentagung des Hebammenverbands Niedersachsen e.V. fand am 20.3.2019 in Hannover statt. Über die außergewöhnlich große Teilnehmerinnenzahl von über 70 Personen freute sich der Vorstand besonders. Die Schülerinnen der Hebammenschule Hannover, welche seit Oktober dort ihre Ausbildung machen, trugen hierzu bei.

Hebammen und Frauenrechte

Das Grußwort sprach Dr. Christa Karras vom Landesfrauenrat Niedersachsen (2. Vorsitzende). Seit den 1970er Jahren ist sie politische Aktivistin. Da „die Stellung der Frau in der Gesellschaft auch immer mit der Stellung der Hebammen in der Gesellschaft verknüpft ist“, freute sich die 1. Vorsitzende des Hebammenverbands Niedersachsen e.V. Veronika Bujny über die gute Zusammenarbeit mit dem Landesfrauenrat und den Redebeitrag von Dr. Karras zum 100-jährigen Jubiläum des Frauenwahlrechts in Deutschland. Karras plädierte hier für eine Wahlrechtsreform mit Geschlechterparität und zählte Beispiele vieler anderer Länder auf, die bereits eine Quote für Frauen in Parlamenten gesetzlich verankert haben und davon profitieren.

Im Anschluss gab es einen Kurzvortrag der Stillbeauftragten Anja Lohmeier, der Einblick gab in die Fortbildung zur „Ermutigenden Stillbegleitung“. Anja Lohmeier betonte, dass Stillen nicht nur „das Beste“ sondern vor allem „das Normale“ sei und die gesamte Gesellschaft vom Stillen profitiere.

Stand der Dinge

Beim Bericht aus dem Vorstand wurde deutlich, dass die aktuellen Hauptthemen der politischen Arbeit die Situation des Hebammenmangels, die Akademisierung, die Arbeit am Gesundheitsziel „Gesund rund um die Geburt“ sowie die Einrichtung der Hebammenzentralen in den Kreisen sind.

Mit der Situation des Hebammenmangels verbunden sind die zunehmenden Kreißsaalschließungen. Veronika Bujny betonte, dass die Hebammenpolitik nicht um ihrer selbst willen betrieben werde, sondern vor allem für die Versorgung der Frauen und Familien.

Das Engagement für die Akademisierung des Hebammenberufes soll über Bündnisse die Einrichtung der dualen Studiengänge an den Hochschulen erreichen. Benötigt würden zumindest 4 Standorte mit je 40-50 Studierenden pro Jahr, um Niedersachsen flächendeckend zu versorgen. Die aktuellen Vorschläge der Politik seien nicht ausreichend, so Veronika Bujny.

Hilke Schauland (2. Vorsitzende) berichtet, dass in weiteren Kreisen Hebammenzentralen eingerichtet werden konnten und fordert Interessierte auf, sich an den Vorstand zu wenden, um Unterstützung zu erhalten.

Weitere Tagesordnungspunkte

Wie „traditionell üblich, wurden auf der LDT auch Jubilarinnen beglückwünscht. Wir gratulieren zum Berufsjubiläum und wünschen noch weitere erfolgreiche Jahre!

Die Hebammenschülerinnen gaben einen kurzen Beitrag ab zu den Tätigkeiten des Hebammenverbandes.

Als ein weiteres Thema am Nachmittag wurde angekündigt, es gäbe zum Internationalen Hebammentag am 5. Mai zahlreiche große und kleinere dezentral organisierte Aktionen in den Kreisen, um die Öffentlichkeit auf die Hebammensituation aufmerksam zu machen. Vorgestellt wurde die Aktion „Lieber Jens“, bei der unter anderem Postkarten an Bundesgesundheitsminister Jens Spahn gesendet werden sollen, die die aus Sicht der Eltern schwierige Hebammensuche dokumentiert.