Das Stillen ist ein großes und teilweise viel diskutiertes, weil politisiertes Thema. Stillen ist aber auch die normale Ernährung eines Babys, zu der es keinen gleichwertigen Ersatz gibt. Hebammen sind die Ansprechpartner*innen dafür, sollten Sie Fragen haben oder Hilfe brauchen, egal in welcher Phase Sie und Ihr Kind sich befinden.

Stillen
Stillvorbereitung in der Schwangerschaft

Auch wenn das Baby noch im Bauch ist, bereiten sich Mutter und Kind schon auf die anschließende Stillzeit vor. Das Kind übt das Saugen und Schlucken mit dem Fruchtwasser in der Gebärmutter, die Brust bereitet sich auf die Milchbildung vor. Viele Frauen bemerken eine Größenzunahme der Brust und ein Dunkler werden der Brustwarzenvorhöfe.
Stillvorbereitung sollte aber auch und vor allem im Kopf stattfinden. Informieren Sie sich schon in der Schwangerschaft über das Stillen, damit Sie und Ihr Baby optimale Startbedingungen haben. Auch die Väter sollten sich Zeit dafür nehmen, denn sie werden die Stillzeit unmittelbar begleiten und können für ihre Partnerin eine große Unterstützung sein.
Ihre Hebamme informiert Sie schon während der Schwangerschaft über das Stillen. Viele Hebammen bieten dazu Stillvorbereitungskurse oder -gespräche an. Der ideale Zeitpunkt dafür ist um die 20. Schwangerschaftswoche herum. Mit ihrer Hebamme können Sie auch Sorgen oder Fragen besprechen, die Sie in Bezug auf die Stillzeit oder vielleicht aus früheren Stillerfahrungen haben. Sollte es bei Ihnen Besonderheiten geben wie etwa eine vorherige Brustoperation, ist eine Stillberatung vorab sinnvoll. Wenn Sie ein krankes Kind oder ein Kind mit einer Behinderung erwarten, empfehlen wir Ihnen in jedem Fall, sich vorher bei der Hebamme über das Stillen zu informieren.
Der Geburtsvorbereitungskurs sollte Sie an mindestens einem Termin über das Thema Stillen informieren. Fragen Sie bei Ihrer Kursanmeldung gezielt danach. Körperlich vorbereitende Maßnahmen wie das Abhärten der Brustwarzen sind übrigens nicht erforderlich. Ganz im Gegenteil können diese sehr unangenehm sein und zu Verletzungen führen. Die beste Stillvorbereitung ist es, bereits in der Schwangerschaft einmal eine Stillgruppe zu besuchen. Hier finden Sie Stillgruppen in Ihrer Nähe.

Die stillfreundliche Geburtsumgebung

Da das Stillen schon in der ersten Stunde nach der Geburt beginnt, schauen Sie sich vorab nach einem geeigneten Geburtsort um, der Sie und Ihr Baby beim ersten Stillen optimal unterstützt. Direkt nach der Geburt sollte das gesunde Neugeborene sofort die Möglichkeit zum ungestörten Hautkontakt mit der Mutter haben. 

Dieser sollte auch bis nach dem ersten Stillen nicht unterbrochen werden – außer medizinische Gründe erfordern dies zwingend. Messen, Wiegen, Baden sind alles Maßnahmen, mit denen gewartet werden kann. Die Hebamme kann den Gesundheitszustand des Kindes auch bestimmen, wenn es bei Ihnen auf dem Bauch liegt. Die erste Untersuchung (U1) sollte daher nach dem ersten Stillen stattfinden.

Die sensible Phase nach der Geburt (Bonding), in der Mutter und Kind sich kennen lernen, sollte in einer entspannten, warmen und ungestörten Atmosphäre stattfinden. Das Bonding schafft optimale Bedingungen für einen gelungenen Stillstart. Sollte dies (meist aus medizinischen Gründen) nicht möglich sein, ist es wichtig, diese Phase so schnell wie möglich nachzuholen. Dennoch ist der Stillstart hierdurch häufig erschwert und Mutter und Kind benötigen mehr Unterstützung.

Das Baby hat nach der Geburt beste Bedingungen, um das Stillen zu beginnen. Es kann sogar selbständig vom Bauch der Mutter zur Brustwarze hoch robben und dort zu saugen beginnen. Genießen Sie diesen ersten wunderbaren Stillkontakt mit ihrem Kind. Die Hebamme wird Sie unterstützen, soweit es notwendig ist.

Sollte Ihr Baby zu Hause oder in einem Geburtshaus geboren werden, sind die Rahmenbedingungen für einen entspannten Stillbeginn meist ohnehin gegeben. Voraussetzung dafür ist eine komplikationslose Schwangerschaft. Ihre Hebamme wird Sie dazu gerne beraten.

Aber auch in der Klinik kann das Bonding optimal verlaufen.
Krankenhäuser, die durch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) als „Babyfreundliches Krankenhaus“ zertifiziert sind, haben das Schaffen einer ungestörten Atmosphäre nach der Geburt, in der Mutter und Kind ununterbrochen Hautkontakt haben und in Ruhe stillen können, in ihren Standards fest geschrieben. Außerdem ist das gesamte Personal nach dem aktuellen Wissenstand zum Thema Stillen geschult. Eine Liste der zertifizierten Krankenhäuser finden Sie unter >> babyfreundlich.org

Natürlich wird auch in anderen Krankenhäusern das Bonding und das Stillen unterstützt. Fragen Sie bei der Wahl Ihres Geburtsortes am besten nach. Einige Anregungen dazu:

  • Wie sieht die Betreuung unter der Geburt aus (Personalschlüssel/ Beleghebamme)?
  • Finden Routinemaßnahmen (Messen, Baden, U1) erst nach dem ersten Anlegen statt?
  • Wird das Stillen gefördert? Wenn ja, wie ist das Personal geschult (regelmäßige Fortbildungen; „Babyfreundliches Krankenhaus“)?
  • Können Mutter und Kind nach der Geburt, auch außerhalb des Geburtszimmers, ununterbrochen zusammen bleiben (Rooming-In)?
  • Kann der Partner nach der Geburt bleiben (Familienzimmer)?
  • Wie wird das Stillen weiter unterstützt, wenn das Kind aus gesundheitlichen Gründen in die Kinderklinik verlegt werden muss? Wie sieht die Stillbegleitung nach einem Kaiserschnitt aus?
  • Wie unterstützt die Hebamme im Wochenbett das Stillen? Ist ein Hausbesuch ab dem Geburtstag des Kindes möglich (wichtig bei ambulanten Geburten)?

Überlegen Sie gemeinsam mit Ihrem*Ihrer Partner*in, was Sie sich wün­schen für die Geburt und die ersten Stunden und Tage danach. Gerne stehen Ihnen die Hebammen in den Kreißsälen und Geburtshäusern sowie die Kolleg*innen, die Geburten zu Hause begleiten für weitere Informationen zur Verfügung. Informieren Sie sich, hören Sie auf Ihren Bauch und finden Sie den Geburtsort der zu Ihnen und Ihrer Familie passt.

Stillen in der Wochenbettzeit

Auch wenn Mutter und Kind alle Voraussetzungen zum Stillen mitbringen, muss sich das Stillen erst einspielen. Stillen ist ein erlerntes Verhalten und besteht nicht nur aus Reflexen.

Da viele der jetzigen Mütter selbst nicht oder nur kurz gestillt wurden, entspricht ein in der Familie weitergegebenes Stillwissen nicht mehr unbedingt dem aktuellen Wissensstand. Darum gibt es Fachfrauen wie die Hebammen, die die Mütter in dieser Zeit unterstützen. Aber auch die Hilfe und der Rat von Mutter zu Mutter ist eine wertvolle Unterstützung. Nehmen Sie schon in der Schwangerschaft Kontakt mit stillenden Müttern auf. Eine Stillgruppe kann ebenfalls schon vor der Geburt besucht werden.

In den ersten Tagen ist es wichtig, dass Sie das korrekte Anlegen erlernen. Dies ist die beste Prophylaxe gegen wunde Brustwarzen, die leider ein häufiges Problem in den ersten Stilltagen sind. Eine leichte Empfindlichkeit beim Ansaugen ist am Anfang in den ersten zwei bis drei Wochen normal, diese sollte sich aber bessern, wenn die Milch zu fließen beginnt und im Laufe der anfänglichen Stillzeit verschwinden. Gründe für anhaltende Schmerzen beim Stillen sind immer herauszufinden und sollten nach Möglichkeit beseitigt werden.

In den ersten Tagen erhält das Baby das wertvolle Kolostrum, die Milch er ersten Tage, die besonders reich an Abwehrstoffen ist. Die zuerst kleinen Mengen sind genau auf den anfangs noch unreifen Verdauungstrakt des Babys abgestimmt. Durch das häufige Anlegen steigert sich die Milchmenge täglich. Häufig Anlegen bedeutet mindestens sechs bis acht Mal am ersten Lebenstag und in den folgenden Tagen sogar mindestens acht bis zwölf Mal in 24 Stunden.

Ein Baby darf und sollte jedes Mal angelegt werden, wenn es die ersten Hungerzeichen zeigt. Ein eher schläfriges Baby muss eventuell geweckt werden. Gemeinsam mit ihrer Hebamme besprechen sie das Trinkverhalten ihres Babys. Die Hebamme sieht sich den Stillvorgang an und beobachtet die Gewichtsentwicklung des Kindes. Sie zeigt Ihnen, woran Sie außerdem noch das gute Gedeihen des Kindes selbst erkennen können. Das Vertrauen in Ihren Körper, ein Baby optimal ernähren zu können, wird von Tag zu Tag wachsen.

Bei Stillproblemen ist es wichtig, diese frühzeitig zu erkennen und zu beheben. Besprechen Sie eventuelle Beschwerden oder Sorgen mit der Hebamme, um gemeinsam eine gute und schnelle Lösung zu finden.
In den ersten zehn Tagen nach der Geburt kommt die Hebamme in der Regel täglich zum Hausbesuch, bei Problemen sind auch weitere Hausbesuche am selben Tag möglich. Ab dem 11. Lebenstag sind noch 16 weitere Konsultationen der Hebamme bis zum Ende des Wochenbettes (zwölf Wochen nach der Geburt) möglich. Die Häufigkeit der Hausbesuche richtet sich nach den individuellen Bedürfnissen.

Stillen nach dem Wochenbett und Beikosteinführung

Nach der Wochenbettzeit wird sich das Stillen meist gut zwischen Ihnen und Ihrem Baby eingespielt haben. Aber im Verlaufe der Stillzeit tauchen doch möglicherweise Fragen oder auch Probleme auf. Vielleicht wollen Sie wissen, wie sich Ihre Berufstätigkeit mit dem Stillen vereinbaren lässt oder wann und wie Ihr Baby die erste Beikost erhalten soll. Auch bei einem Milchstau oder einem „Stillstreik“ des Kindes kann die Hebamme Sie unterstützen.

Sie können bis zum Ende der Stillzeit (es spielt keine Rolle, wie alt das Kind dann ist) acht weitere Hausbesuche oder telefonische Beratungen in Anspruch nehmen. Sollte Ihre Wochenbetthebamme zu diesem Zeitpunkt verhindert sein, können Sie sich natürlich an jede Kollegin wenden, die Beratung in der Stillzeit anbietet.

Nichtstillende Mütter können diese acht Hausbesuche oder telefonischen Beratungen bis zum Ende des neunten Lebensmonats des Kindes in Anspruch nehmen, wenn sie Fragen zur Ernährung des Kindes haben.

Wie lange Sie Ihr Kind stillen möchten, ist eine individuelle Entscheidung, die Sie im Laufe ihrer Stillzeit gemeinsam mit dem Kind treffen. Die vielen positiven Aspekte des Stillen sprechen für eine längere Stillzeit. Gerade ein aktives Krabbelkind profitiert von den vielen Abwehrstoffen in  der Muttermilch, wenn es mehr und mehr die Welt entdeckt.

Die WHO (Weltgesundheitsorganisation) empfiehlt ein ausschließliches Stillen in den ersten sechs Monaten und danach ein Weiterstillen neben geeigneter Beikost bis zum Ende des zweiten Lebensjahres und darüber hinaus, sofern Mutter und Kind dies wünschen. Wie lange Sie und Ihr Kind auch immer stillen möchten – wir Hebammen stehen Ihnen gerne unterstützend zur Seite.

Stillberatung

Alle Hebammen sind aufgrund ihrer Ausbildung befähigt, Frauen in der gesamten Stillzeit zu beraten und zu unterstützen.
Einige Hebammen haben darüber hinaus eine ergänzende Aus- oder Weiterbildung im Bereich der Stillberatung absolviert und können besonders in schwierigen Stillsituationen eine zusätzliche Ansprechpartnerin sein.
Besprechen Sie die Inanspruchnahme mit Ihrer betreuenden Hebamme. Die Kosten für die Stillberatung (im Rahmen des Wochenbettes, sowie acht weitere Beratungen in der Stillzeit – telefonisch oder als Hausbesuch) werden von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen.
Bei langfristigen Betreuungen nach der Wochenbettzeit ist eventuell eine ärztliche Anordnung für weitere Hausbesuche erforderlich. Die Hebamme berät Sie gerne.

Stillgruppen

Stillgruppen werden von Hebammen oder Stillberaterinnen geleitet. Sie bieten interessante Informationen zum Stillen und zum Alltag mit Babys und kleinen Kindern sowie einen Austausch untereinander. Stillgruppen sind eine sinnvolle Vorbereitung auf und eine wertvolle Unterstützung in der Stillzeit. Stillende, am Stillen Interessierte (werdende Eltern, Väter, Großeltern…) und ihre Kinder sind herzlich willkommen.

Stillgruppen in der Region Hannover und Hannover [PDF]: Liste Hannover Still- und Babygruppen

Stillgruppen im Landkreis Stade [PDF]: Stade Stillgruppenliste

Weitere Adressen folgen. Sollte etwas nicht mehr aktuell sein, geben Sie uns bitte Bescheid!

Linksammlung zum Thema Stillen

>> stillen-institut.com Europäisches Institut für Stillen und Laktation

>> embryotox.de Informationen zu Medikamenten in Schwangerschaft und Stillzeit

>> stillgruppen.de Stillgruppen – Verzeichnis und Informatives

>> netcologne.de Zum Stillen von Babys mit Down-Syndrom

>> lkgstillen.ch Stillen von Kindern mit Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalten

>> stillenbeispalte.org Informationen zum Stillen von Babys mit einer Lippen-Gaumenfehlbildung, um Eltern und Gesundheitspersonal gut zu informieren

>> babynahrung.org Aktionsgruppe Babynahrung Pro Stillen

>> stillen-info.de Praktische Hilfen, Informationen und Materialien rund um das Thema Stillen initiiert von der Deutschen Liga für das Kind in Familie und Gesellschaft e.V.

>> still-lexikon.de Das Still-Lexikon bietet als private und kommerzfreie Seite Eltern möglichst objektive Informationen über Stillen und Stillförderung

>> babyfreundlich.org Auf den Seiten der WHO/UNICEF- Initiative „Babyfreundliches Krankenhaus“ (BFHI) e.V. finden Sie als babyfreundlich ausgezeichnete Krankenhäuser und alle Informationen rum um das Thema ganzheitliches Betreuungskonzept.

>> afs-stillen.de „Die Arbeitsgemeinschaft Freier Stillgruppen“ (AFS) ist eine gemeinnützige Organisation zur Förderung des Stillens. Die Seiten beinhalten Infos, Termine und Publikationen rund ums Stillen und zur Ausbildung zur Stillberaterin

>> lalecheliga.de Die La Leche Liga Deutschland e.V. berät Schwangere und Mütter in allen Fragen rund ums Stillen. Alle ausgebildeten Stillberaterinnen arbeiten ehrenamtlich